Innovationen didaktisch gestalten

Beim Lesen des im Oktober 2013 erschienenen Buches ‚Creative Confidence – Unleashing the creative potential within us all‘ von Tom Kelly und David Kelly gefiel mir die Aussage bezugnehmend auf Chris Flink (vgl. S. 22 ff.) besonders gut. Demnach gehe es auf dem Weg zur Gestaltung neuer Innovationen nicht darum im Sinne Newtons auf den sprichwörtlichen Apfel zu warten, der einem irgendwann auf den Kopf fällt. (Diese Aussage bezieht sich auf Isaac Newton, dem bekanntlich ein entsprechender Apfel auf den Kopf gefallen sei und den Aha-Effekt hinsichtlich der Gravitationstheorie ausgelöst haben soll). Es geht darum selber aktiv und kreativ zu werden.

Die Idee habe ich spontan in Illustrator umgesetzt (ganz ohne künstlerischen Anspruch):

Don´t wait for a great idea, inspire yourself!
Don´t wait for a great idea, inspire yourself!

Aber wie soll das gehen? Letztlich müssen Umgebungen aufzusucht werden, die der eigenen Inspiration Antrieb geben können, also Querdenken erfordern, ein Auseinandersetzen mit anderen (fremden) Sichtweisen auf Etwas einfordern usw.

Versteht man das als didaktische Herausforderung so geht es darum, den Prozess und die kontextuellen Rahmenbedingungen zu professionalisieren. Dafür ist es erforderlich gezielt bestimmte Personen zusammen zu bringen, einen Ideen anregenden existierenden Ort aufzusuchen, bestehende Orte neu zu gestalten und Methoden einzubinden, die den Prozess befördern. Es ist somit die didaktische Aufgabe, problembezogen eine komplexe Lehr-/Lernsituation zu gestalten und diese mit diversen didaktischen Potenzialen zu versehen (z. B. multiple Perspektiven, kollaboratives Lernen, Selbstreflexivität, Prozessorientierung  usw.).

Mit Blick auf den Prozess eines ‚Design Thinking‘ strukturiert Flink vier Schritte:

  1. Inspiration
    Die Zielsetzung einer ‚human-centred innovation‘ bedarf auf Seiten der Innovationsentwickler die Fähigkeit zur Empathie. Es geht darum sich auf eine Problemstellung, Rahmenbedingungen und vor allem Personen einzulassen, um deren Bedürfnisse, Wünsche und Motivation zu erschließen. Auch Verhaltensbeobachtungen, Interviews usw. können einen Zugang bieten.
  2. Synthesis
    Die Inspiration aus Phase 1 ist der Einstieg in die Gestaltung von Innovationen, allerdings gilt es auch, diese zu strukturieren, in Beziehung zueinanderzu setzen, Bedeutungen herauszuarbeiten und somit letztendlich potentielle Lösungsansätze und darin den konkreten Sinn zu kreieren. Anders gewendet sind ‚fruchtbare Böden‘ ausfindig zu machen, die in weiterführenden Handlungen aufgenommen werden können und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen. Auch dieser Prozess der Synthese bedarf professioneller Ressourcen und Methoden, um zielgerichtet und effizient zu sein.
  3. Ideation and Experimentation
    Die Basis für sehr einfache und schnelle erste Prototypen (= Mehrzahl) ist gelegt. Vielversprechende Ansätze aus Phase 2 können in iterativen Verfahren prototypisch gestaltet, evaluiert und redesigned werden. Insbesondere die Evaluation kann in dieser Phase dann geleistet werden, wenn die Prototypen eine erste Reaktion bzw. Rückmeldung durch Dritte erlauben. Es geht somit nicht um ausgereifte bzw. praktisch einsetzbare Prototypen, sondern um die Möglichkeit die Idee zu transportieren und kommunizieren zu können. Dadurch wird Feedback zu den unterschiedlichen Prototypen möglich, dass sich auch auf die eigentliche Idee konzentriert. (Dieser Ansatz erinnert mich auch stark an den des ‚Business Model Canvaz‘ für StartUp-Unternehmen, in denen auch ein entsprechendes Feedbacksystem zu rudimentären ersten Ansätzen ein methodischer Bestandteil ist, um das eigenen Geschäftsmodell zu optimieren ohne viel Ressourcen ‚in das falsche Pferd‘ investiert zu haben.)
    Das Ganze wird dann auch als eine Lernschleife verstanden, über die das eigene Konzept verstanden, neu gedacht und modifiziert werden kann. Selbsverständlich gibt es hier ein Vielzahl an potentiellen Feedbackmethoden, die jeweils widerum den Prozess in unterschiedlicher Form befruchten können.
    Auch Prototypen können hier sehr breit verstanden werden, die je nach Gegenstandsbereich und verfügbaren Mitteln und Fähigkeiten sehr unterschiedlich gelagert sein können. Sie müssen ’nur‘ den hier ausgewiesenen Zweck erfüllen.
  4. Implementation
    Eine in der Dritten Phase gereifte Idee alleine ist bekanntlich erst einmal nur eine Idee. Die Umsetzung  als Produkt (z. B. Dienstleistung oder technisches System) als auch im intendierten Feld (Unternehmen, Bildungsinstitution, Markt usw.) ist ein kritischer Moment. Hier werden unterschiedliche roll-out-Ansätze in Abhängigkeit von dem Produkt als sinnvoll gesehen, ebenso wie die Nutzung von Feedbackstrukturen um das Produkt auf neue Erkenntnisse und Bedarfe hin anpassen zu können.

Insgesamt bietet dieser Ansatz des ‚Design Thinking‘ m. E. durchaus Potential zur Gestaltung von Innovationen und ist als eine didaktische Aufgabe für Unternehmen oder z. B. auch Netzwerke wie Exzellenzcluster, Bildungsregionen zu verstehen. Entsprechend ist auch ein Experte für entsprechende Prozesse erforderlich, der vor dem Hintergrund der jeweiligen Rahmenbedingungen den Prozess mit Methoden, Ressourcen usw. unterstützen kann. Ebenso kann es m. E. auch als eine Methode für die Gestaltung von handlungsorientiertem Unterricht in Bildungsinstitutionen im Sinne eines komplexen Lehr-/Lernsetting verstanden werden.

 


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